Balance – Tanz des Lebens

Balance

Immer wieder. In allen Bereichen. Innen und außen. Es geht immer auch irgendwie um Balance. Zu viel Sex oder zu wenig. Mannweib oder Weichkeks. Askese oder Maßlosigkeit.
Jedes Mal, wenn das Pendel in die ein oder andere Richtung dauerhaft zu sehr in eine Richtung schwingt, tut uns das nicht gut.

Im laufe der Jahrzehnte hat sich Vieles verändert in der Gesellschaft. Die Frauen von heute sind anders geworden. Mehr Möglichkeiten, mehr Rechte. Weniger aushalten, mehr ausbrechen. Weniger Augen zu und runterschlucken. Sondern Anlauf nehmen, Augen auf und auf in den Kampf.

Dies ist meine Generation.

+/- 1965 bis 1975 geboren, lernten wir immer mehr unseren Mann zu stehen. Wir lernten weise und mit Bedacht zu kämpfen. Nicht, weil wir so großen Spaß daran gefunden hätten, nein. Es ging um jeden kleinen Schritt in Richtung „Ich bin ich“. Ich bin nicht nur die Frau und Mutter an der Seite meines Partners. Kein Mutter-Ersatz für ein großes männliches Kind. Ich kann und will mehr als nur eine Rolle erfüllen.

In einem sehr bekannten Popsong heißt es:
„I‘m a bitch, I‘m a lover, I‘m a child, I‘m a mother, I‘m a sinner, I‘m a saint, I do not feel ashamed. I‘m your hell, I‘m your dream, I‘m nothing in between – I know you wouldn‘t want it any other way“
– Ich bin eine Schlampe, ich bin eine Liebende, ich bin ein Kind, ich bin eine Mutter, ich bin eine Sünderin, ich bin eine Heilige, ich schäme mich nicht. Ich bin deine Hölle, ich bin dein Traum, ich bin nichts dazwischen. Ich weiß, du würdest es nicht anders haben wollen.

All diese Anteile zu leben, und sich genauso angenommen und geliebt fühlen… das ist ein Weg. Ein Weg, der immer auch darüber führt, sich erst einmal SELBST so anzunehmen und zu lieben… mit all diesen Anteilen, den Stimmungen, den Gesichtern.
Wie oft erlebe ich dieses in meiner Arbeit (auch in mir selbst habe ich das lange und immer wieder gespürt)… Diese Facetten, Anteile, Prägungen sind tief in uns
verankert… und unbewusst so häufig noch im Kampf miteinander. Manche verstecken sich, liegen komplett verschüttet und verborgen.

Wenn da unten etwas kämpft und blockiert


Mal abgesehen davon, was die Nachbarn denken, der Partner oder die Kollegen: Was denkst du!? Wie oft gibt es in uns Anteile, die von Erwartungen geprägt sind? Von Schuld und Scham, aus unserer Kindheit. Zuerst sind wir kleine niedliche Babys. Wir machen Pipi in die Windeln, rülpsen und pupsen und alles entlockt den Menschen drumherum (hoffentlich) ein seuftzend-liebevolle-entzücktes „Upps, du
kleiner Schatz, DAS ist sooo stinki!“ (oder so ähnlich).
Wir fangen mehr und mehr an, die Welt zu entdecken. Wie toll!

Dann folgen die Erwartungen: Jetzt könnte sie/er aber so langsam mal krabbeln, laufen, den Löffel nehmen, den Schnuller weglassen. Und wenn das nicht schnell genug geht?

Es folgen erste Vergleiche mit dem, was in den Zeitschriften steht, Abgleiche mit Aussagen des Kinderarztes oder der Putzfrau oder der Freundin der Nachbarin. Ist mein Kind normal? Groß genug? Schlau genug? Weit genug? Der unterschwellige
Kampf beginnt. Nur mal so gefühlt… noch nicht im Verstand, denn der bildet sich ja erst noch.

Dann kommt dieser Tag

Scheitern. Für ein Kind überhaupt kein Thema. Es macht das, woran es gescheitert ist einfach noch einmal. Laufen lernen. Hinfallen. Aufstehen. Tränen
wegwischen (Lassen). Weiter. SO lernt es laufen. (Und es hat einen inneren
Antrieb: Die Neugierde). …Laufen lernen ist erwünscht!

Das Problem beginnt woanders…

Wenn das Verhalten unerwünscht ist

Manchmal sind Grenzen notwendig. Klar!
Wenn das Kind droht, einfach über die Straße zu laufen. Gefahr in Verzug ist. Da sind Grenzen wichtig. Woher soll das Kind sonst wissen, dass es gefährlich ist, einfach so loszulaufen.

Und dann gibt es diese anderen Situationen, in denen Kinder aus der Reihe tanzen, sich ausprobieren, Grenzen testen. Es ist dieser Blick. Der Blick des Vorwurfs.
Unangenehm. Tiefgehend. Oft mit der Haltung verschränkter Arme verbunden.
Der Moment in dem zum ersten Mal Schuld und Scham in einem kleinen Wesen entsteht. Das ist keine Grenze im Sinne von klarem und liebevollen „Stopp“ im Sinne einer gesunden Entwicklung – Dies ist eine schwere Decke auf der kleinen Seele!
Es entsteht möglicherweise diese innere tiefe Überzeugung: Wenn ich nicht brav bin, den Erwartungen entspreche, bin ich Schuld und muss mich schämen, weil Mama, Papa oder sonstwer böse auf mich sind und Abstand nehmen. Vielleicht versuche ich auch besser nichts Neues… könnte ja Ärger geben.

Das Ganze setzt sich fort in Schule und in der Leistungsgesellschaft von heute als Erwachsene. Nicht selten geschieht dies über den Umweg von Kampf, Depression, Burn Out oder weiteren Hilfeschreien unserer Seele, die letztlich uns immer wieder nur ihrer tiefsten Bedürfnisse bewusst werden lassen will.

Im Verstand irgendwann angekommen, und unbewusst von innen heraus gesteuert, bewegt sich dieser Mensch immer wieder in Richtungen und auf Wege, die nicht seine sind. Und zwar immer mehr, jedoch noch nicht wirklich
sich selbst erkennend. Und doch: Spürend, da ist etwas, das
mich woanders hin lenkt… nur noch nicht ans Ziel.

Innere Anteile in Balance und dann zusammenbringen

Wie schön ist es, wenn ich in meiner Arbeit genau dabei unterstützen darf. Diese inneren Anteile aszugleichen, wertzuschätzen, zusammenzubringen, in Frieden
und Vergebung zu führen, Lasten abzugeben, in die Freiheit zu geleiten.

Warum ist das so? Weil ich Menschen liebe. Weil ich selbst diesen Weg gegangen bin und auch ich selbst immer wieder und weiterhin auf diesem Weg unterwegs bin.
Wie sich Disbalance anfühlt, was sie „mit einem machen kann“, wozu sie führen kann und auch endlich, wie es sich anfühlt, sich immer mehr und durchaus  überwiegend in Balance zu fühlen, das kenne ich.

Den eigenen Weg zu gehen. Die eigenen Werte zu definieren und dafür einzustehen – Völlig egal, ob dies Erwartungen entspricht, ob Andere
Dieses oder Jenes soundso machen, ob ich jedem ich mit meiner Art gefalle, oder nicht, wird täglich unwichtiger.
Ich tue nicht mehr härter als ich bin. Ich tue meine Arbeit auf meine ganz eigene Weise. Ich diene und leiste meinen Beitrag für meine Entfaltung, in dieser Welt, für die Menschen, die zu mir finden. Mit Herz und Seele und allem, was ich weiß und bin.

Der Weg bis hierher war nicht leicht. Dafür weiß ich, wie sich Leichtigkeit anfühlt… weil ich Schwere ebenfalls kennengelernt habe.

Der männliche Anteil in mir, den ich selbst kennen lernen und leben lernen musste, tanzt nun den schönsten Tanz mit der Frau, die ich bin.

Seele und Anteile in Balance.
Ich werde darauf achten, dass dies so bleibt.
Dabei allerdings mächtig zu beiden Seiten
schwingen!

In diesem Sinne: Auf in den Tanz!

Von Herzen einen Gruß,

Dia <3